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Forschung

Forschungsschwerpunkte über die Lebensspanne

Entwicklungsverläufe entstehen im Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Prozesse. Eine besondere Rolle spielt dabei, wie Menschen Veränderungen wahrnehmen und bewerten. Unser Forschungsprogramm verbindet entwicklungs-, sozial- und motivationspsychologische Perspektiven, um diese Deutungsprozesse und ihre Folgen für Wohlbefinden, Leistung und Gesundheit zu untersuchen – von der Kindheit bis ins hohe Alter.

Altersidentität und subjektives Altern

Mittel-alte und ältere Menschen fühlen sich typischerweise jünger, als sie sind – Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dagegen tendenziell älter. Unser Modell der dualen Altersidentität unterscheidet zwischen der Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe und der zu einer Generation – zwei Identitäten, die unterschiedlich bewertet werden und die Menschen flexibel nutzen können (Weiss & Lang, 2012; Weiss & Chopik, 2026). Generationsidentität entsteht durch psychologische und soziale Prozesse – sie ist kein demografischer Fakt. Die Distanzierung von der eigenen Altersgruppe (age-group dissociation) wirkt dabei selbstwertschützend, hat aber Grenzen (Weiss & Freund, 2012; Blöchl, Nestler & Weiss, 2021). In einem DFG-Projekt untersuchen wir aktuell, welche Rolle temporale und soziale Vergleichsprozesse dabei spielen (“Subjektives Altern: Ein duales Prozessmodell sozialer und temporaler Vergleichsprozesse“ 577830885, Deutsche Forschungsgemeinschaft)

Altersbilder, Mindsets und Gesundheit

Ob Menschen das Altern als festgelegt und unvermeidlich oder als veränderbar begreifen, hat messbare Folgen. Für diese (non)essentialistischen Überzeugungen haben wir ein Erhebungsinstrument entwickelt und validiert (Weiss et al., 2016; Weiss & Diehl, 2021; Kurzform: Weiss, Dobkowitz, Prell & Schönenberg, 2026). Sie bestimmen mit, ob negative Altersstereotype Gedächtnisleistung und physiologische Stressreaktionen beeinträchtigen (Weiss, 2018). Ein Spannungsverhältnis steht dabei im Zentrum: Altersstereotype können internalisiert werden oder Distanzierung auslösen – Prozesse, die kurz- und langfristig in entgegengesetzte Richtungen wirken (Weiss & Kornadt, 2018; Kornadt, Weiss, de Paula Couto & Rothermund, 2023).

Sozialer Status und soziale Ungleichheit über die Lebensspanne

Sozialer Status ist keine feste Größe: Menschen steigen auf und ab, und beides trifft sie in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedlich. Wir untersuchen, wie Statusgewinne und -verluste erlebt und verarbeitet werden und welche Rolle Aufstiegsüberzeugungen dabei spielen (Weiss & Kuball, 2026; Weiss & Blöchl, 2024; Weiss, Greve & Kunzmann, 2022).

Zukunftserwartungen und Übergänge im jungen Erwachsenenalter

Junge Menschen treffen weitreichende Entscheidungen über Bildung, Beruf und Beziehungen. Wir untersuchen, wie sie Übergänge wie Schulabschluss und Berufseinstieg bewältigen und wie sie auf soziale Ungleichheit reagieren (Weiss, Freund & Wiese, 2012, 2014; Freund, Weiss & Wiese, 2013; Weiss, Sczesny & Freund, 2016). In einem aktuellen Projekt untersuchen wir, wann Zukunftserwartungen motivieren – und wann enttäuschte Hoffnungen zu Frustration und geringerem Wohlbefinden führen.

Anwendungskontexte: Arbeit, Übergänge und Gesundheit

Wir untersuchen Altersbilder dort, wo sie konkrete Folgen für das Leben haben. Im Arbeitskontext erforschen wir, wie subjektives Altern neue Ideen, die Arbeit über die Regelaltersgrenze hinaus und die Zufriedenheit in Krisenzeiten beeinflusst (Weiss & Weiss, 2026; Weiss, Weiss & Zacher, 2022; Weiss, Weiss, Rudolph & Zacher, 2022). Im Gesundheitsbereich untersuchen wir gemeinsam mit der Columbia University in New York, unter welchen Bedingungen Menschen einen Abbau ihrer geistigen Fähigkeiten wahrnehmen (NIH R01AG054525).

Methoden und Open Science

Wir verbinden Experimente, Tagebuch- und Längsschnittstudien, kultur-vergleichende Erhebungen und die Auswertung großer Datensätze wie SOEP, MIDUS, ELSA und HRS. Dabei nutzen wir neben Befragungen auch implizite Verfahren sowie Messungen von körperlichen Reaktionen und Blickbewegungen. Unsere Studien werden präregistriert, und wir veröffentlichen Daten und Analyseskripte über das Open Science Framework.

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